von Sascha Ritter

Demokratie hautnah: Zwei Tage voller Ideen, Diskussionen und Erlebnissen

Wie funktioniert Demokratie im Alltag? Warum sind freie Medien so wichtig? Ist unsere Demokratie in Gefahr? Und was bedeutet eigentlich Fairness? Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben sich unsere Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Demokratietage beschäftigt. Bereits zum zweiten Mal sind sie ein fester Bestandteil unseres Schullebens.

Auftakt mit besonderem Gast

Der Auftakt fand am 23. März statt. Als Partnerschule im Rahmen von ZDF goes Schule durften wir Henner Hebestreit, den Leiter des ZDF-Landesstudios Schleswig-Holstein in Kiel, bei uns begrüßen.

Herr Hebestreit, der neben Schleswig-Holstein auch für die Berichterstattung aus Nordeuropa verantwortlich ist, gab einen anschaulichen Einblick in die Arbeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In seinem Workshop zur Bedeutung öffentlich-rechtlicher Medien in der Demokratie ging er gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zentralen Fragen nach. Es ging darum, was öffentlich-rechtliche Medien ausmacht, warum journalistische Standards wie der Pressekodex wichtig sind und wie sich verlässliche Informationen von Fake News unterscheiden lassen. Auch ein Blick in die Zukunft des Journalismus durfte nicht fehlen.

Zudem gewährte er persönliche Einblicke in seinen abwechslungsreichen Berufsalltag als Journalist und bereicherte seinen Vortrag mit anschaulichen Anekdoten aus seiner langjährigen Erfahrung.

Während der Auftakt am 23. März den Rahmen setzte, stand am 24. März das aktive Erleben von Demokratie im Mittelpunkt.

Demokratie erleben – Jahrgänge 5 und 6

Die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen näherten sich dem Thema Demokratie zunächst über ein Märchen zum Thema Regeln. Gemeinsam erarbeiteten sie, wo ihnen Demokratie in der Schule und im Alltag begegnet.

Im Anschluss wurde Demokratie ganz praktisch erfahrbar: Beim Thema Fair Play im Sport konnten die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Völkerball-Varianten nicht nur spielen, sondern auch Regeln mitbestimmen und verändern. Werte wie Mitbestimmung, Gerechtigkeit und Verantwortung standen dabei im Mittelpunkt.

Am Ende gewann bewusst das Team, das besonders fair gespielt hatte. In einer abschließenden Reflexion positionierten sich die Schülerinnen und Schüler zu Aussagen wie „Fair sein ist wichtiger als gewinnen“.
Ein Team brachte den Tag mit einem starken Satz auf den Punkt: „Vielleicht sind wir nicht stark, aber wir sind fair!“

Kritisches Denken stärken – Jahrgang 7

Die 7. Klassen arbeiteten intensiv mit dem Film Die Welle, der auf dem gleichnamigen Roman von Morton Rhue basiert. Im Mittelpunkt steht ein Unterrichtsexperiment, bei dem ein Lehrer die Mechanismen einer Diktatur veranschaulichen möchte. Was zunächst harmlos beginnt, entwickelt schnell eine Eigendynamik. Gruppenzwang, Ausgrenzung und blinder Gehorsam treten immer stärker in den Vordergrund.

Die Auseinandersetzung mit dem Film hat deutlich gemacht, wie schnell demokratische Grundwerte ins Wanken geraten können und wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben.

Ergänzend dazu führten der Stadtpädagoge Frank Jankowski und der Jugendbeirat ein Planspiel durch. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler selbst erleben, wie Entscheidungen in einer Gemeinschaft getroffen werden und welche Rolle unterschiedliche Interessen dabei spielen.

Ein Workshop, der nachwirkt – Jahrgänge 8 bis 10

Ein besonderer Moment der Demokratietage war der Workshop mit Philip Schlaffer in der Agora, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Förderverein für Medienkompetenz an Schulen.

Philip Schlaffer berichtete offen von seinem früheren Leben in der rechtsextremen Szene. Er schilderte, wie er in diese Strukturen hineingeraten ist und welche Rolle Zugehörigkeit, Anerkennung und Gruppendruck dabei gespielt haben. Gleichzeitig machte er deutlich, welche Konsequenzen sein Handeln für ihn selbst und andere hatte.

Seine Schilderungen waren direkt, persönlich und an vielen Stellen schwer auszuhalten. Gerade das machte den Vortrag so eindrücklich. Die Schülerinnen und Schüler hörten aufmerksam zu, viele waren sichtbar bewegt. Es entstand eine besondere Atmosphäre, in der auch kritische Fragen gestellt und offen diskutiert werden konnten.

Im Mittelpunkt stand immer wieder die Frage, wie Radikalisierung funktioniert und wie man ihr entgegenwirken kann. Schlaffer machte deutlich, wie wichtig es ist, Informationen zu hinterfragen, sich eine eigene Meinung zu bilden und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Seine Botschaft war klar und blieb hängen.

Fazit

Unsere Demokratietage haben einmal mehr gezeigt, wie vielfältig und lebensnah Demokratie vermittelt werden kann. Die Schülerinnen und Schüler haben sich mit Medien, Fairness, gesellschaftlichen Entwicklungen und eigenen Handlungsmöglichkeiten auseinandergesetzt.

Besonders die persönlichen Einblicke im Workshop von Philip Schlaffer haben viele nachhaltig bewegt und zum Nachdenken angeregt. Demokratie wird so nicht nur im Unterricht behandelt, sondern im Schulalltag erfahrbar. Sie zeigt sich im Umgang miteinander, in der Bereitschaft zuzuhören und in der Verantwortung, die jede und jeder Einzelne übernimmt.



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